Die gute alte Zeit.
  • Der weibliche Teil der Betreiberfamilie Bretschneider.
  • Frau Hauswald entspannt sich bei einer Tasse Bohnenkaffee.
  • Eislaufen auf dem Kreuzteich, dazu gab es gebrannte Mandeln.
  • Martha und Käthe Kühne mit Partnern um 1920.
  • Sogar ein Dampfschiff fuhr auf dem Kreuzteich.
  • Karussell des neuen Betreibers Martin Kühne.

Geschichte die berührt

Das „Schwanenschlößchen zu Freiberg“ blickt auf eine über 100 Jahre alte Geschichte zurück.
Im Jahre 1896 legte Woldemar Bretschneider den Grundstein für ein Ausflugslokal auf dem Wasser.

Damit begann eine Tradition, die bis heute ein fester Bestandteil Freibergs ist.
Wegen Baufälligkeit mußte das alte „Schlössel“ im Jahre 1973 abgerissen werden. Nach fast dreißig Jahren wurde es im Jahre 2000 in traditioneller, originaler Bauweise wiedererrichtet. Mit viel Mühe und Sorgfalt wurde versucht, das Ursprüngliche nachzuempfinden. Aufgrund seiner einmaligen Architektur und Historie zählt es zu Freibergs schönsten Wahrzeichen. Lassen Sie heute Ihre Gedanken spielen und genießen Sie noch einmal die gute, alte Zeit.

Sie möchten tiefer in die Historie des Schwanenschlößchens eintauchen?

Eigentlich sollte das heutige „Schwanenschlößchen“ im indischen Baustil errichtet werden. Entwurfen wurde es von Baumeister Köhler. Doch der Stadtrat lehnte das erste Baugesuch am 28. Juli 1896 ab. Doch Bretschneider wagte einen zweiten Versuch.
Am 5. September 1896 überreichte Woldemar Bretschneider ein zweites Gesuch zum Bau einer „Gondel- und Schlittschuhstation auf dem unteren Kreuzteich“. In Gerlachs „Kleiner Chronik von Freiberg“ steht: „Ein 1896 über der Teichfläche erbauter einladender Pavillon ist dem Ganzen eine Zierde. Der ganze Bau ruht auf 70 mannsstarken Stämmen, und ist um Kälte und Feuchtigkeit abzuschließen, mit doppelten Dielen versehen…“
Zusätzlich zum Bauantragsverfahren mußte Herr Bretschneider natürlich noch eine Konzession zum Betrieb seiner zukünftigen Wirtschaft bei der Stadt Freiberg beantragen, was er am 28. Juli 1896 tat. Anfang 1897 genehmigte ihm der Stadtrat den „Ausschank von warmen Getränken, sowie Bier in Flaschen, als auch Cognac und Liqueure.“
Am 30. November 1896 schrieb Bretschneider den folgenden Brief: „Ergebenst Unterzeichneter bittet den geehrten Stadtrath, den Pavillon auf dem Kreuzteich, Kaffee Schwanenschlößchen, nennen zu dürfen und ersucht um gütige Beschleunigung, da das Geschirr die entsprechende Aufschrift tragen soll.“ Fragmente dieses allerersten Geschirrs sind erhalten geblieben und zieren eine Glasvitrine im Gastraum des Erdgeschosses…
Von 1896 bis zum Jahre 1920 bewirtschaftete Familie Bretschneider das „Schwanenschlößchen“ zu Freiberg. Man kann sich gewiß gut vorstellen, das der Besuch dieses neuen Etablissements für die Freiberger und ihre Gäste ein besonderes Schmankerl war. Das belegen Aufzeichnungen vom Freiberger Anzeiger vom 14. Januar 1897, in dem das Lokal erstmals in der Presse ausführlich beschrieben wird.
Das „Gondeln“ und „Schlittschuhlaufen“ zählte neben der gastronomischen Versorgung der Gäste mit zu den Höhepunkten. Die Genehmigungsverfahren der damaligen Zeit waren weit weniger kompliziert als heute – sogar ein Dampfschiffes tuckerte zur Freude aller Freiberger über den Kreuzteich.
Im Jahre 1920 verkaufte der Sohn des Erbauers und ersten Betreibers Felix Bretschneider das „Schwanenschlößchen“ an einen aus Niedersedlitz stammenden und in Freiberg wohnenden Karussellbesitzer Martin Kühne. Auch unter den neuen Betreibern trank man fleißig Freiberger Bier, genoss die hausgemachten Bratkartoffeln mit Spiegelei und kostete vom hausgebackenen Kuchen.
Ab den 20-iger Jahren geht es mit dem „Schwanenschlößchen“ auf und ab. Viele Pächterwechsel, die schwere Kriegszeit sowie zahlreiche Bauschäden setzten dem Ausflugslokal arg zu. Der Schankbetrieb wurde in Erbnachfolge der Familie Kühne bis 1949 weitergeführt – ab dann schweigen die Akten...
Als letzter Pächter des „Schwanenschlößchens“ wurde Manfred Quellmalz geführt, welcher die Gaststätte von 1966 bis 1970 betrieb. Seit dem Krieg wurden keine Reparaturen mehr vorgenommen, so daß es am Unterbau des Pfahlbaus zu gravierenden Absenkungen kam. Am 1. April 1970 mußte das „Schwanenschlößchen“ geschlossen werden. Der Abbruch erfolgte dann 1972. Hier endete eine Ära.
Nach 26 Jahren ergab sich im Jahre 1998 eine günstige Konstellation, die einen mutigen Bauherrn dazu bewog, die Sache erneut anzufassen. Wenn auch mit modernen Baumaterialien errichtet, so ist doch der nahezu detailgetreue Nachbau des historischen „Schwanenschlößchens“ als besonders gelungen zu betrachten.